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Depressionen - Ursachen

Depressionen werden auch als multifaktorielles Geschehen bezeichnet, d.h. es sind viele Bedingungen an der Entstehung, Auslösung und Aufrechterhaltung der Krankheit beteiligt.

Es gibt nie die eine Ursache einer psychischen Erkrankung oder Störung.

Grundvoraussetzungen für Entstehung

Für das Entstehen einer Krankheit müssen zunächst bestimmte Grundvoraussetzungen bei einem Menschen erfüllt sein.

Das Vorliegen dieser Voraussetzungen hat allerdings noch nicht zwingend zur Folge, dass die Krankheit auch ausbricht. Erst ein zusätzlich auftretender Auslöser bringt die Depressionen zum Ausbruch.

Die Grundvoraussetzung selbst, also die psychobiologische Disposition, setzt sich zusammen aus genetisch-somatischen und aus lebensgeschichtlich-biografischen Faktoren.

Je mehr belastende Faktoren auftreten, desto größer wird also das Risiko, an einer De- pression zu erkranken. Allerdings kann das Risiko auch verringert werden, wenn entlastende Faktoren auftreten. So kann ein Mensch, der zu Depressionen neigt, durchaus noch "die Kurve kriegen", wenn er z.B. Rückhalt in einer stabilen Beziehung erhält.

Biologische Faktoren

Rein biologische Auslöser

Zunächst seien hier die biologischen Auslöser für eine Depression genannt. Dies können z.B. Veränderungen im Hormonsystem sein (nach der Geburt, in den Wechseljahren), körperliche Erkrankungen (z.B. an der Schilddrüse oder Gehirntumore) oder durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten ausgelöst werden.

Biologische Ursachen

Gehirnstoffwechsel gestört

Für die Ursachen der Depression im biologischen Sinne gibt es ein neurobiochemisches Modell. Dabei geht man davon aus, dass ein Gleichgewicht im Stoffwechsel des Gehirns aus den Fugen geraten ist.

Zunächst einmal muss man erklären, dass im Gehirn bestimmte Regionen für Gefühle zuständig sind. Dabei kommunizieren die Nervenzellen untereinander durch elektrische Impulse.

An der Verbindungsstelle zweier Nervenzellen, der Synapse, gibt es einen kleinen Spalt, der nicht durch elektrische Impulse überwunden werden kann. An dieser Stelle übernehmen Botenstoffe, sog. "Neurotransmitter", die Weiterleitung der Signale.

Serotonin und Noradrenalin mit besonderer Rolle

Bei Depressionen spielen besonders die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin eine wichtige Rolle. Diese Neurotransmitter liegen im Krankheitsfalle anscheinend in zu geringem Maße vor.

Die Nervenzelle funkt zwar die "guten Nachrichten" an die Nachbarzelle, doch hier kommen sie einfach nicht an, weil der synaptische Spalt nicht überwunden werden kann.

Positive Gefühle und Gedanken kommen sozusagen nicht mehr an. Das schlägt sich dann eben entsprechend in Grübeleien und gedrückter Stimmung nieder. Hier greifen übrigens Anti- depressiva an.

Ausschüttung von Stresshormonen

Serotonin und Noradrenalin haben aber noch einen wichtigen Steuereffekt: sie bremsen die Freisetzung von Stresshormonen im Körper. Wenn man sich konzentrieren will, wird vor allem das Noradrenalin wichtig. Es aktiviert das Großhirn und bereitet die Nervenzellen selbst auf schwierigste Denksportaufgaben sehr gut vor.

Wer sich allerdings gut konzentrieren möchte, der darf gleichzeitig nicht zu aufgeregt sein. Deshalb schaltet Noradrenalin parallel die Freisetzung von Stresshormonen einen Gang runter.

Kommt es nun bei Depressionen zu einem Mangel an Serotonin und Noradrenalin, schießt die Produktion von Stresshormonen über das sinnvolle Ziel hinaus - im Körper herrscht dann permanenter Stress. Das erklärt die innere Unruhe bei Depressionen.

Weitere biochemische Erklärung

Eine andere biochemische Erklärung der Depression stellt ein Hormon in den Mittelpunkt. Dieses Hormon, genannt CRH, reguliert seinerseits die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol.

Depressive befinden sich in einem Zustand von Dauerstress, weil CRH und damit Cortisol im Übermaß produziert werden. Medikamente, die die Wirkung einer "Überdosis" CRH blockieren sollen, befinden sich in der Testphase.

Genetische Faktoren

Ein weiterer biologischer Faktor für die Ursachen einer Depression sind die Gene. Man kann die Veranlagung, mit einer Depression auf belastende Umstände zu reagieren, vererben.

Dies ist vielfach wissenschaftlich belegt. Gibt es im engeren Verwandtschaftskreis Personen, die depressiv sind, steigt für einen selbst das Risiko, ebenfalls an einer Depression zu erkranken.

"Das ursprünglich griechische Wort Melancholie heißt 'Schwarze Galle'. Hier drückt sich die auf Hippokrates zurückgehende Vorstellung aus, dass den psychischen Erkrankungen ein Ungleichgewicht der Körpersäfte zu Grunde liegt.

Es ist erstaunlich, dass heute, 2500 Jahre später, ebenfalls gestörte Körpersäfte im Gehirn als Erklärung für Depressionen herangezogen werden."

Prof. Dr. Hans Jürgen Möller

Psychologische Faktoren

Tiefenpsychologisches Modell

Es gibt ein tiefenpsychologisches Modell, das besagt, der Grundstein für die Depression liege schon in der ganz frühen Kindheit. Es soll eine gestörte Beziehung zur Mutter vorliegen. Diese führt dazu, dass das Kind glaubt, es werde nicht geliebt und es sei nichts wert.

Hieraus resultiert dann ein Selbstwertproblem, unter dem zur Depression neigende Menschen häufig leiden. Dadurch wiederum entsteht eine "ausgeprägte emotionale Überbedürftigkeit". Die Betroffenen haben ein unverhältnismäßiges Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung, das für die Umwelt nur sehr schwer zu erfüllen ist.

Die geringe Selbstachtung dieser Menschen muss kompensiert werden, so dass sie sehr enge Liebesbeziehungen eingehen. Oder es entsteht eine sehr enge Mutter-Kind-Beziehung.

Außerdem führen solche Menschen ein Leben nach überhöhten Leistungsnormen, um das Selbstwertgefühl durch Wertschätzung von außen zu kompensieren.

Negative Grundeinstellung

Ein weiteres Modell für die Entstehung von Depressionen besagt, dass die Depression ein Ausdruck einer "kognitiven Störung" ist. Demnach haben die zur Depression neigenden Men- schen in der Kindheit und Jugend ein negatives Selbstbild erworben. Bei allen Ereignissen wird immer nur die negative Seite gesehen, es handelt sich also um ausgesprochene Pessimisten.

Dazu kommt ein Überschätzen der Leistung anderer, wodurch die eigenen Leistungen ge- schmälert werden, sowie eine Verallgemeinerung negativer Ereignisse.

Gelernte Hilflosigkeit

Ein drittes Modell spricht von "gelernter Hilflosigkeit". Depressionen entstehen dabei als Folge mangelnder Kontrolle. Wenn der Betroffene eine Nichtkontrollierbarkeit der Ereignisse erwar- tet, entstehen die Symptome. Der Betroffene denkt, dass alles, was schief geht, seine eigene Schuld ist und dass er das auch nicht ändern kann.

Prämorbide Persönlichkeit

Durch die genannten äußeren Einflüsse entsteht eine sogenannte "prämorbide Persönlich- keitsstruktur" - d. h., dass man durch bestimmte Charakterzüge gefährdet ist, an einer Depression zu erkranken.

Abhängigkeit von Anerkennung anderer

Zur Depression neigende Menschen sind abhängig von Achtung und Liebe durch andere Menschen. Damit verbunden ist die Angst, diese Wertschätzung von außen zu verlieren.

Folge davon ist, dass Betroffene jegliche Kritik vermeiden, sich anpassen, keine eigenen Ideen entwickeln, Streit und Aggressivität vermeiden, sich nicht zur Wehr setzen und Überbelastung in Kauf nehmen. Solche Menschen sind perfektionistisch, überordentlich, leistungsangepasst und unrealistisch von sich selbst fordernd.

Ein Tropfen bringt das Fass zum Überlaufen

Auf diese Art und Weise kommt die eigene Persönlichkeit natürlich viel zu kurz. Auch wenn eine derartige Situation meist recht lange ausgehalten werden kann, staut sich der Druck immer mehr auf. Schließlich bringt ein kleiner Tropfen das Fass zum Überlaufen.

Hat sich ein Mensch jahrelang entsprechend verhalten, fehlt es also nur noch am Auslöser, bis die Depressionen mit der typischen Symptomatik ausbrechen.

Fazit

Theorien schließen sich nicht aus

All diese Theorien über Ursachen und Auslöser sind sinnvoll. Sie schließen sich nicht gegen- seitig aus, sondern liegen häufig nebeneinander vor. Wie schon gesagt, ist es meistens erst die Summe aller Faktoren, die die Depression verursacht.

Welche Faktoren nun die ausschlaggebenden für den Krankheitsausbruch waren, lässt sich nicht immer genau sagen. Die Frage, ob zunächst biochemische Veränderungen im Gehirn vorlagen und man durch die Depression an Selbstachtung verloren hat, oder ob erst das Verhalten die Biochemie beeinflusst hat, gleicht der Frage, was zuerst da war - das Huhn oder das Ei.

Im Prinzip ist dies die Frage, ob die Depression endogen oder psychogen entstanden ist. Das spielt aber nicht unbedingt eine große Rolle, auch nicht für die Behandlung. Heutzutage wird ohnehin meistens Psychotherapie mit medikamentöser Therapie kombiniert, da dies am wirkungsvollsten ist.

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12.01.2011
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